6.1 Bewerbung und Visum

Falls du dein Praktikum im Ausland (Amerika) absolvieren willst, solltest du so früh wie möglich anfangen, dich um eine Stelle zu kümmern. Der ganze Bewerbungsprozess kann sich sehr lang hinziehen; und sobald du diese erste Hürde geschafft hast, wird es erst richtig stressig, da du für das Praktikum ein Visum brauchst. Es ist empfehlenswert, mindestens ein Jahr, besser sogar anderthalb Jahre vor dem Beginn des Praktikums mit dem Bewerben anzufangen.

Ich habe circa zehn Monate vorher begonnen, hatte aber das Glück, keinen klassischen Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Normalerweise sollte man einplanen, dass man zu einem Vorstellungsgespräch nach Amerika reisen muss – in meinem Fall hat es aber gereicht, mein Online-Portfolio zu zeigen und zwei Telefonate zu führen. Dadurch habe ich viel Zeit gewonnen; am Ende wurde es trotzdem noch alles sehr knapp, weil die Beschaffung des Visums sehr lang dauern kann.

Sobald du also eine Firma gefunden hast, die dich als Praktikanten beschäftigen will, solltest du dir eine Organisation suchen, die dich bei der Beantragung des Visums unterstützt. Ohne Organisation ist das grundsätzlich nicht möglich. Ich habe mich dafür an die Berliner Ayusa-Intrax gewendet, die ich sehr weiterempfehlen kann. Sie beraten dich bei allen notwendigen Schritten und helfen dir dabei, notwendige Formulare und Anträge auszufüllen. Die meisten Dinge, die von dir benötigt werden, sind schnell erledigt. Mehr Zeit wird in der Regel für Unterlagen benötigt, die vom Unternehmen geliefert werden müssen. Dazu gehören Arbeitsverträge, Unterschriften auf Visumsanträgen und vor allem ein Trainingsplan, auf dem genau aufgeführt werden muss, worin du geschult werden sollst – und warum. Sofern das Unternehmen noch keine Erfahrung mit ausländischen Praktikanten gemacht hat, hilft Ayusa-Intrax dem Unternehmen beim Ausfüllen und allen sonstigen Fragen.

Wenn alle Unterlagen vollständig sind, muss das Ganze formal geprüft werden, was etwa drei Wochen dauern kann. Anschließend kannst du mit all diesen Unterlagen einen Termin bei der Botschaft bzw. dem Konsulat machen. Hierbei sei erwähnt, dass gerade im Sommer die Konsulate ziemlich großen Andrang erfahren und du unter Umständen rund drei Wochen auf einen Termin warten muss. Das gilt vor allem für das Konsulat in Frankfurt. In Berlin musste ich nur drei Tage warten.

Bei diesem Termin wird man dich kurz interviewen, alle Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen und dir dann gleich mitteilen, ob du das Visum bekommst oder nicht. Sofern alles korrekt und glaubwürdig ist, wird das Visum bewilligt und landet dann etwa 5 Tage später in deinem Briefkasten. Sollten deine Unterlagen nicht vollständig sein, musst du den gesamten Prozess wiederholen und einen neuen Termin beantragen.

In meinem Fall hat die Beschaffung aller Unterlagen und das Beantragen und Erhalten des Visums circa sechs Monate gedauert.

Abgesehen von all diesen bürokratischen Dingen solltest du bedenken, dass ein Praktikum im Ausland teuer ist. Allein das Visum (inkl. Gebühren für die Organisation, Sicherheitsgebühren, Bearbeitungsgebühren, etc.) kostet alles in allem knapp 1000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Flug (mindestens 700 Euro) und die Unterkunft (mehr dazu im Kapitel 6.2).

In jedem Fall solltest du genug Geld schon im Voraus zurückgelegt haben, selbst wenn das Praktikum bezahlt ist. Denn bis das erste Gehalt auf deinem Konto eingeht, können ein paar Wochen vergehen. In dieser Zeit müssen aber die Miete, das ÖPNV-Ticket und Lebensmittel bezahlt werden. Das Konsulat sieht zudem vor, dass du mindestens 1000 Dollar auf dem Konto hast, noch bevor du in die Vereinigten Staaten einreist (das ist allerdings nicht notwendig, sofern du ein bezahltes Praktikum mit mehr als 1000 Dollar Monatsgehalt hast).

Auch in Amerika geht die Bürokratie weiter: Du brauchst eine Social Security Card, um überhaupt arbeiten und Geld erhalten zu können. Das ist glücklicherweise recht schnell erledigt, erfordert aber wieder einen Gang zum Amt und anschließend zwei Wochen Wartezeit, bis die Social Security Card im Briefkasten landet.

Das sind ziemlich viele Dinge, die geplant und erledigt werden müssen, bevor es überhaupt losgeht. Trotzdem lohnt sich der Aufwand!