3. Tagesablauf

Die Arbeit bei Tumblr findet in der Regel montags bis freitags statt, allerdings kommt es auch hin und wieder mal vor, dass einzelne Leute auch freiwillig am Wochenende arbeiten. Üblicherweise befindet sich das Team von circa 10 bis 18 Uhr im Büro, wobei hier aber niemand die Zeit stoppt und keiner schief angeschaut wird, wenn er mal früher das Büro verlässt. Hin und wieder gibt es auch Phasen, in denen ein Teil des Teams von zu Hause aus arbeitet.

Mein Arbeitsplatz

Mein Tag fängt normalerweise irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr an – mit dem Aufrufen des Tumblr-Dashboards. Jeder Nutzer, der bei Tumblr angemeldet ist, sieht in seinem Dashboard die Blog-Posts aller Freunde, denen er folgt. Man könnte somit behaupten, dass das Aufrufen des Dashboards am Arbeitsplatz eher eine Freizeitaktivität ist, die von der Arbeit abhält. Allerdings gehört diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Produkt und dessen Nutzern unbedingt dazu, um sich auch klar damit identifizieren zu können. Zudem zeigt es, wie überzeugt man von dem ist, was man tut. Das Aufrufen des Dashboards, Lesen von Blog-Posts anderer Menschen und das Erstellen eigener Posts ist also ausdrücklich erwünscht und Teil der Unternehmenskultur. Nebenbei erzeugt dies auch nach außen ein positives Bild des Unternehmens, denn alle Nutzer und Fans haben so die Möglichkeit, die Tumblr-Mitarbeiter als normale, bloggende Menschen wahrzunehmen.

Übrigens ist auch der Besuch anderer Websites gestattet; es gibt keine blockierten Internetseiten und niemanden, der das ernsthaft regulieren wollen würde. Niemand nutzt diese Freiheiten aus, weil jeder sich mit dem Produkt identifiziert und an dessen Vorankommen interessiert ist.

Zu Beginn interner Projekte (neue Features, Redesigns, etc.) gibt es üblicherweise locker gehaltene Meetings, in denen gemeinsam erörtert wird, welche Schritte nötig sind und wer welche Aufgaben erledigt. Anschließend arbeitet jeder für sich und tauscht sich mit den anderen aus, wenn es nötig ist.

Richtig feste Deadlines für einzelne Projekte gab es während meines Praktikums nie, stattdessen wird viel Wert darauf gelegt, dass das Ergebnis qualitativ hochwertig und innovativ wird. Gute Arbeit braucht eben Zeit und Freiraum für Experimente, enge Deadlines würden zwangsläufig zu Kompromissen führen. Dennoch gibt es intern natürlich grobe Zeitpläne, damit sich alle aufeinander abstimmen können.

Peters Arbeitsplatz

Besonders nennenswert ist das gemeinsame Mittagessen. Es gibt keine festgelegte Zeit hierfür; man einigt sich einfach jeden Tag ganz spontan. In der Regel sind wir gemeinsam zu einem der zahlreichen Delis oder Restaurants in der unmittelbaren Nähe gegangen und haben uns etwas „to go“ besorgt. Gegessen wird dann im Büro am gemeinsamen Lunch-Table. Diese tägliche Lunch-Time ist besonders wichtig für den privaten Austausch, die Teambildung und das Entwickeln neuer Features für das Produkt Tumblr. Während des Mittagsessen wird meistens gescherzt, über andere Webseiten oder -dienste gesprochen und ein ungezwungenes, unbewusstes Brainstorming gemacht. Viele Ideen für neue Tumblr-Features sind bei diesen lockeren Gesprächen entstanden.

Hin und wieder werden auch Gäste zum Mittagessen eingeladen. Das sind manchmal befreundete Web-Dienste, Investoren, Bewerber und Freunde.

Nach der Arbeit gibt es immer wieder mal gemeinsame Kinobesuche oder einen Ausflug ins Baseballstadium. Bier wird übrigens auch oft getrunken, teilweise auch mit anderen in New York ansässigen Web-2.0-Unternehmen. Insgesamt habe ich in den vier Monaten so viele neue, talentierte Menschen getroffen wie nie zuvor. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass man sich als Konkurrenten sah oder sich gegenseitig irgendwelche Firmengeheimnisse entlocken wollte. Stattdessen war es immer ein freundschaftlicher Austausch.

Man hat mir übrigens nie das Gefühl gegeben, „nur“ der Praktikant zu sein. Ich habe die ganze Zeit über auf gleicher Augenhöhe gearbeitet, man hat mich ernstgenommen und Vorschläge von mir berücksichtigt. Selbstverständlich wurden mir alle Arbeitsmaterialien gestellt. Dazu gehörte ein eigener Arbeitsplatz mit riesigem Bildschirm, ein brandneues MacBook und natürlich hochwertige Skizzenbücher für Ideen und Scribbles.